2012. Beginnen. Beten.

2012 beginnt mit einem beeindruckenden Feuerwerk. Nicht etwa in einer großen Stadt – nein, gleich hier, in Puchenau, einer kleinen Gemeinde am Rande von Linz. Direkt vor unserer Nase. Vor dem Balkon. Jedes Jahr scheint mir die Menge der abgefeuerten Raketen anzuwachsen, scheinen die privaten Feuerwerke prächiger zu scheinen und lauter zu knallen. Anschauen tu ichs gerne. Es ist wie ein Trommelwirbel, der den Beginn des neuen Jahres begleitet.

Feuerwerk

Bild: Maria Klingler (creative commons)

Wie jedes Jahr kreisen meine Gedanken Anfang Jänner um mein Leben. Wie läufts? Muss ich etwas ändern? Nehme ich mir etwas vor? Wie jedes Jahr verfliegen meine Vorsätze schon in den ersten Jännerwochen und es geht alles seinen gewohnten Gang. Doch will ich das, was ich gewohnt bin? Vieles schon, vieles macht mich auch aus. Doch manches bleibt unerledigt. Ich bin so einer, der sich immer alles auf einmal vornimmt. Und dann doch gar nichts davon umsetzt.

Ich weiß nicht, was mir jetzt den inneren Anstoß gibt, manches doch zu versuchen. Kleine Schritte sind angesagt. Der erste Schritt: Ich möchte die Beziehung zu meinem Gott regelmäßiger gestalten. Nicht, dass ich nicht beten würde. Das mach ich sogar ziemlich häufig. Was fehlt, ist mein eigener Rhythmus. Etwas, das mir entspricht. Ich brauche eine feste Zeit, wo ich meinen täglichen Gebeten Raum geben kann. Mich wundert es, dass ich das noch nicht angegangen bin, bisher.

Warum gerade jetzt? Vielleicht ist das noch eine Nachwirkung vom Jahreswechsel. Ich nehme solche Veranderungstendenzen jedenfalls als Anregung für einen neuen Blog. Möchte meine Gedanken teilen. Wie geht es dir, werter Leser, werte Leserin – ich hoffe, ich kann an dieser Stelle weiterhin beim Du bleiben – mit deinen Neujahrsvorsätzen?

 

Die Welt der kleinen Steine – oder: Die Wiederentdeckung meiner Kindheit

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Friedrich Schiller)

Von meinem 5. Lebensjahr an hatte ich ein Lieblingsspielzeug: LEGO. Die kleinen Steine, die ich immer wieder neu kombinierte, faszinierten mich viele Jahre. In meinem Zimmer hatte ich permanent eine Legostadt aufgebaut, die sich ständig veränderte. Eine besondere Liebe galt dem Lego-Thema “Space” – ich hatte eine beträchtliche Sammlung von kleinen und größeren Raumschiffen und Raumfahrzeugen.

Die Lust am LEGO-Spielen verlor ich in der Pubertät. Die vielen kleinen Steine verschwanden in einer Lade im Wochenendhaus meiner Eltern und wurden nur dann wieder aktiviert, wenn zufällig mal kleinere Kinder zu Besuch waren.

Wenn man Vater wird, entdeckt man das Spielen neu. Unsere Tochter baut liebend gern mit Duplosteinen, und da ist der Papa als “Baumeister” und Spielkamerad natürlich total gefragt. Und ich muss gestehen: Mit den Duplosteinen meiner Tochter zu spielen, macht auch mir großen Spaß.

In den vergangenen Semesterferien verbrachten wir ein verlängertes Wochenende mit Freunden im Wochenendhaus meiner Eltern. Unsere Freunde haben erzählt, dass sie unlängst die alten Legosets wieder zusammengebaut haben. Ich brauchte nicht lange nachzudenken, um die große Lade in der alten Truhe zu öffnen…

Der Effekt war, dass wir zu fünft ein Wochenende mit Legosteinen verbrachten, indem wir meine alten Legosets wieder zusammenstellten und rätselten, was ich denn alles gehabt haben könnte. Die Anleitungen fanden wir im Internet. Seit diesem Wochenende spiele ich wieder mit den kleinen Steinen. Will heißen: Ich baue, entwerfe, arrangiere…

space_police

Eine Sache verbindet die Kindheit meiner Frau und meine Kindheit ganz besonders: LEGO. Also holten wir auch ihr Lego von ihrem Elternhaus. Mittlerweile steht in unserem Schlafzimmer eine Legostadt. Sie wird erweitert, neu kombiniert – und sie erinnert an unsere Kindheit.

Auf einem Kasten über der Stadt sammeln sich außerdem meine alten Raumschiffe und Raumfahrzeuge, manche davon über 25 Jahre alt.

Nun träume ich davon, Lego Modelle zu bauen. Mir schwebt dabei zum Beispiel die Kirche von Puchenau als Modell vor. Und damit bin ich nicht alleine. Wie viele Erwachsene Menschen sich mit den kleinen Steinen aus Dänemark beschäftigen, kann man erahnen, wenn man nach “Lego” und “Modellbau” googelt. Mit Legosteinen sind unendliche Kombinationen möglich. Sie fördern Fantasie und Kreativität. Und zum Spielen ist man wohl nie zu alt, oder?

Jugendcursillo – Sei wie du bist. Tanz’ doch aus der Reihe!

Einmal für 3 Tage so sein können, wie ich bin. Die Chance haben, mich auszutauschen, mich selbst besser kennen zu lernen. Die Möglichkeit für Ruhe, für eine Auszeit vom Alltag. Die Möglichkeit, mich neu mit Gott auseinanderzusetzen. Das alles und mehr bietet der Jugendcursillo – ein “kleiner Glaubenskurs” für Jugendliche, der für die TeilnehmerInnen oft Großes bringen kann.

Begleitet von einem Team junger Erwachsener und einem Priester verbringt man in einer überschaubaren Gruppe (zumeist ca. 10-20 Personen), verbringt man in einer wertschätzenden Atmosphäre drei möglicherweise prägende Tage. Sich selbt – andere – Gott neu kennen lernen. Als Christ aus der gesellschaftlichen Reihe tanzen und sich engagieren. 

Email eines (bald de-?)motivierten (Mit?)arbeiters

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann!
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmied!
Sehr geehrter Herr Staatssekretär Lopatka!

Mit großem Befremden nehme ich Ihre Wortmeldung zur Diskussion rund um ein neues LehrerInnen-Dienstrecht zur Kenntnis.

Ich bin Lehrer im 4. Dienstjahr, unterrichte kath. Religion und tue das mit großer Freude und Engagement bei meinen Unterrichtsvorbereitungen. Bildung selbst war mir schon immer ein anliegen, die Liebe zum Lehrberuf entdeckte ich während meines Theologiestudiums. Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass zumindest Sie, Frau Bundesministerin, über das tatsächliche Ausmaß der Arbeitszeit eines Lehrers / einer Lehrerin bescheid wissen – und Ihnen selbstverständlich klar ist, dass LehrerInnen ihre Arbeit im Rahmen eines Vollzeitjobs wahrnehmen. Ihre Auftritte in den Medien in den vergangenen Tagen haben mich eines Besseren belehrt.

Read MoreInsofern sollten Sie, werter Herr Bundeskanzler, werte Frau Bundesministerin und werter Herr Staatssekretär, meine Email wohl nicht (nur) als Kritik an ihren medialen Kommentaren lesen, sondern auch und vor allem als Information über die Vielfältige Tätigkeit der LehrerInnen in Österreich.

Grundsätzlich arbeite ich sehr gerne in meinem Beruf, und es ist nicht meine Art, über die Rahmenbedingungen zu jammern, die uns das “System Schule” als PädagogInnen bietet. Ich habe mich den Gegebenheiten ganz gut angepasst. Um den Lehrberuf – wie Sie sagen – zumVOLLZEITJOBzu machen, schlagen Sie vor, dass SchülerInnen und LehrerInnen bis 16.00 Uhr an der Schule bleiben sollen. Teilweise ist dies auch schon für mich Realität, da ich unter anderm an einer Privatschule unterrichte, die als Ganztagsschule geführt wird. Dort habe ich einen Arbeitsplatz, der diesen Namen zumindest fast verdient, und es ist mir gut möglich, viele meiner Vorbereitungen an der Schule zu erledigen. Allerdings: Um einem VOLLZEITJOB nachgehen zu können, muss ich an zwei Schulen unterrichten. An der zweiten AHS, die staatlich organisiert ist, habe ich diesen Arbeitsplatz nicht. Ich kann mein (privates) Netbook gerade noch auf meinem Platz im Konferenzzimmer platzieren, daneben hat dann vielleicht noch ein Buch im A5-Format Platz. Regale? Schreibtisch? Eigener PC? Fehlanzeige. Ich unterrichte in der Regel bis 13.35 Uhr und erledige den Rest meiner Arbeit zu Hause – wo auch sonst?

Als Junglehrer komme ich mit 40 Stunden Wochenarbeitszeit in der Regel nicht aus, und das, obwohl ich ein Fach unterrichte, in dem Korrekturen von Hausübungen und Schularbeiten nicht auf der Tagesordnung stehen. Insofern sehe ich mich als VOLLZEIT-Arbeiter, der nicht mehr oder weniger beschäftigt ist, als DienstnehmerInnen anderer Berufsparten.

Ich halte ein neues LehrerInnen-Dienstrecht für höchst notwendig, wenn es auch sehr befremdlich anmutet, wenn eine der VerhandlungspartnerInnen schon vor Beginn etwaiger Verhandlungen Details in der Öffentlichkeit diskutiert – noch dazu in einer höchst demotivierenden Art und Weise. Sie richten mir – und allen anderen KollegInnen – über die Medien aus, dass wir ohnehin zu wenig arbeiten würden. Freilich wäre es für mich gut vorstellbar, bis 16.00 Uhr an der Schule zu bleiben – wenn die Voraussetzungen stimmen würden. Leider tun sie das nicht. An den wenigsten Schulstandorten haben LehrerInnen die Möglichkeit, ihre Vorbereitungen an der Schule zu erledigen. Konferenzzimmer haben mit modernen Großraum – Büros absolut gar nichts gemein. Wollen Sie die Schulen diesbezüglich vernünftig ausstatten, sind wohl Investitionen im Milliardenbereich erforderlich. In vielen Fällen wird nicht einmal die Möglichkeit dazu bestehen, die vorhandenen Gebäude zu adaptieren.

Darum sind Ihre Vorschläge nach eingehender Reflexion wohl nur als plumper Populismus zu verstehen. Und das tut weh, wenn man sich wie ich in seinem Beruf wohl fühlt, sich engagiert – und die zuständige Ministerin, ein Staatssekretär, ja sogar der Bundeskanzler bedienen sich bekannter gesellschaftlicher Neidkomplexe, um ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken.

Schulpolitik sollte ein Sensorium für alle Schulpartner – SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern – haben. Verzichtet man auf motivierte MitarbeiterInnen, bleiben wohl am Ende demotivierte ArbeiterInnen – das kann wohl nicht das Ziel einer zukunftsorientierten Bildungspolitik sein, wo Sie doch gerade in den nächsten Jahren motivierte MitarbeiterInnen brauchen werden, wenn sie Reformen im Schulbereich voran bringen wollen.

Dass meine Grüße an Sie – als FunktionsträgerInnen – nicht allzu freundlich ausfallen können, werden Sie verstehen.

Mag. Michael Haderer
Religionslehrer in Linz

Von Wahlen und Menschen

Die Landtags- und Gemeinderatswahlen waren für mich und meine Familie heuer besonders spannend. Grund dafür war, dass sich mein Vater zum Zweiten Mal der Wiederwahl als Bürgermeister der Gemeinde Puchenau gestellt hat. So war es für meine Familie möglich, hautnah zu erleben, was “Wahlkampf” auch bedeuten kann. Hauptsächlich natürlich viel Arbeit – und Nervenstärke. Die Überzeugung, die richtige Ziele zu haben. Ein Team im Rücken, das an einem Strang zieht. Selbstsicherheit. Demut. Letztendlich wurde mein Vater mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit wiedergewählt, und seine Partei (ÖVP) errang die absolute Mehrheit im Puchenauer Gemeinderat.

Warum ich das schreibe?

Zum einen, weil ich mich sehr über den Erfolg meines Vaters freue. Zum anderen, weil Politik mehr ist als das, was wir täglich in den Schlagzeilen und Kommentaren lesen. Politisch engagiert zu sein, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Und es bedeutet die Möglichkeit, gestalten zu können. Dazu braucht es Authentizität und Idealismus. Von welcher politischen Gruppierung auch immer die jeweiligen Proponenten kommen – ich denke, es würde für die politische Kultur unseres Landes förderlich sein, ihr Bemühen um die Gestaltung unseres Landes zu würdigen. Diskussionen sind in sachlicher Härte zu führen – doch Unterstellungen auf persönlicher Ebene sind fehl am Platz, selbst wenn man die Ansichten des jeweiligen Gegenübers so gar nicht teilen kann.

Die Sicht auf den konkreten Menschen, der immer mehr ist als seine politischen Grundsätze und Ideale würde vielen Kommentatoren unserer Medienlandschaft, wie auch den politischen Mitbewerbern nicht schaden. Das schließt eine harte Auseinandersetzung in Sachfragen nicht aus, würde aber wohl gerade diese Auseinandersetzung erleichtern.

Ich gratuliere meinem Vater Wolfgang Haderer und dem Team der ÖVP Puchenau zu diesem außerordentlichen Erfolg, der sich nicht nur im Wahlergebnis widerspiegelt, sondern auch in einer Form der “wertschätzenden politischen Auseinandersetzung”, die ich in anderen Bereichen bisher selten erleben durfte.

Gern katholisch!

Ich bin Christ. Aus Überzeugung. Und außerdem bin ich gerne Katholik. Trotzdem hat mir letztens jemand zu verstehen gegeben, ich sei nicht katholisch, weil ich manche Positionen meiner Kirche nicht teile.

Ich muss gestehen, dass mich das sehr getroffen hat, denn meine Kirche bedeutet mir eigentlich sehr viel. In dieser Kirche habe ich meine spirituelle und religiöse Heimat gefunden. In dieser Kirche habe ich einige meiner besten Freunde kennen gelernt. Und gerade die katholische Kirche vor Ort – meine Pfarre – ist es, in der ich mich auch gerne und mit vollem Einsatz engagiere

Trotzdem gibt es Dinge in meiner Kirche, die mir große Sorgen bereiten. Zum Beispiel die jüngsten Entwicklungen in meiner Diözese. Zum Beispiel die Frage nach dem kirchlichen Amt, die meiner Meinung nach schon lange überdacht werden müsste. Zum Beispiel die Frage nach der kirchlichen Haltung zur Sexualität, die meines Erachtens jeder biblischen und theologischen Grundlage entbehrt. Zum Beispiel die Rolle der Frauen, die jede wirkliche Führungsposition für Frauen in der katholischen Kirche unmöglich macht. Zum Beispiel die Haltung meiner Kirche in der Frage des Scheiterns von menschlichen Beziehungen.

Wenn ich über diese Themen mit anderen Katholiken diskutiere, kann es schon sein, dass meine Diskussion sehr leidenschaftlich wird. Leidenschaftlich kann ich – wie ich denke – aber nur dann sein, wenn mir diese MEINE Kirche ein großes Anliegen ist, und der Weg, den sie zukünftig einschlagen wird. Gerade weil ich gerne katholisch bin, muss ich dann Stellung beziehen, wenn meiner Meinung nach in dieser Kirche etwas schief läuft.

Dabei akzeptiere ich gern, dass es eben in einer KATHOLISCHEN Kirche (man beachte den Wortsinn von katholisch ;-)  ) verschiedene Ansichten geben kann. Dass es immer den bewahrenden (konservativen) und vorwärtsgewandten (progressiven) Kurs gegeben hat, beweist die Geschichte.

Was ich aber gefährlich finde, ist, wenn man einen dieser Wege verabsolutiert und daneben jede andere Meinung als “nicht katholisch” abtut. Wenn die Worte des Papstes teilweise mehr zählen als die Worte des Evangeliums. Wenn man Autoritäten mehr gehorcht als dem eigenen Gewissen.

Darum – ich bin gern katholisch :-)